Der 30. Juni ist vorbei, heute ist der 1. Juli, und damit liegen auch die letzten beiden Tage des Juni-NaNoWriMo 2026 hinter uns. Ich habe mit knapp über 50.000 Wörtern abgeschlossen, andere mit 40.000 oder 30.000 oder 10.000, je nachdem, was sie sich vorgenommen hatten.

Nun kommt es darauf an, was man mit diesen Wörtern machen will. Ein vollständiger Roman ist es bei mir mit 50.000 Wörtern noch nicht, es fehlt noch das Ende. Ich könnte jetzt also weiterschreiben, bis ich das Minimum von 60.000 Wörtern erreicht und das Ende geschrieben habe.

Eine andere Möglichkeit ist, das Ende noch offen zu lassen und nun mit der Überarbeitung ab Seite 1 zu beginnen. Für Plotter ist das eventuell noch nicht einmal ein so großer Unterschied (nein, man sagt nicht, es macht einen Unterschied, das ist Englisch, nicht Deutsch), aber für diejenigen von uns, die ihre Geschichte erst beim Schreiben entdecken, kann das eine ganze Menge ausmachen.

Denn wir haben die Geschichte seit dem 1. Juni erst einmal entwickelt, man könnte sogar sagen geplottet, sehen nun nach 50.000 Wörtern den größten Teil des Zusammenhangs, des Handlungsverlaufs, der Charakterbögen unserer Figuren, weil wir das ja nicht im Voraus festgelegt haben.

Das, was wir am Ende dieses Monats haben, gibt uns eine Grundlage für die Geschichte, die wir am Anfang des Monats noch nicht hatten. Diesen Zeitpunkt können wir nutzen, um das Ganze noch einmal von vorn bis zu der Stelle, an der wir uns im Augenblick befinden, durchzulesen, zu korrigieren, zu überarbeiten, uns genauer darüber klarzuwerden, wer unsere Figuren sind und wie die Geschichte abläuft. Das hat sich ja bis jetzt beim Schreiben jeder einzelnen Szene immer erst ergeben.

Das Fundament, das wir in diesem Monat gelegt haben, kann uns aber nun dazu dienen, ein sehr solides Haus darauf zu bauen. Im Moment fehlt noch das Dach, und wir könnten auch das erst aufsetzen und Richtfest feiern. Beide Möglichkeiten sind gegeben und sind gleich viel wert. Man muss für sich selbst entscheiden, welche die richtige ist.

Wenn wir eine Geschichte sehr schnell durchgezogen haben, wie es der NaNoWriMo vorgibt, kann es sein, dass uns dabei Fehler unterlaufen sind, die wir erst beim Durchlesen bemerken. Korrigieren wir sie jetzt, könnte das Auswirkungen auf das Ende der Geschichte haben, denn es könnte sich beim Überarbeiten eine leicht andere Richtung ergeben.

Das muss aber nicht so sein.

Dennoch hilft es, die Geschichte vor dem Ende noch einmal durchzulesen, weil man dann völlig in die Geschichte eintaucht wie eine Leserin, und zwar in wesentlich kürzerer Zeit als beim Schreiben. Wir haben in dreißig Tagen jeden Tag durchschnittlich ca. 1667 Wörter geschrieben. Wenn man ein Manuskript mit 50.000 Wörtern liest, kann man das jedoch in wenigen Stunden tun. Man ist also wesentlich dichter am Gesamtzusammenhang der Geschichte.

Dann die letzten 10.000 Wörter zu schreiben ergibt sich fast von selbst. Man ist durch das Lesen so im Flow, dass es sehr verwunderlich wäre, wenn sich das Ende nicht sozusagen automatisch ergeben würde, weil man die Geschichte weiterdenkt.

Wie gesagt ist es genauso legitim, jetzt nicht zurückzugehen und das Ende in den nächsten Tagen zu schreiben, ohne den Anfang noch einmal zu lesen. Das wären dann noch einmal ca. fünf Tage, wenn man im NaNoWriMo-Rhythmus bleibt, um den Roman mit 60.000 Wörtern zu beenden.

Hat man sich eine größere Wortanzahl vorgenommen, 70.000, 80.000, 100.000 oder sogar noch mehr, dauert es entsprechend noch eine Weile länger. Die 60.000 sind nur das Minimum, das ich mir immer vornehme, das ist für jeden verschieden.

Auf jeden Fall wünsche ich allen, ob sie ihre Geschichte bereits beendet haben, das Ende noch schreiben müssen oder jetzt erst einmal zurückgehen wollen, um zu überarbeiten, viel Spaß dabei.

Seid stolz darauf, was ihr im NaNoWriMo geleistet habt! Ihr seid alle Siegerinnen! 🏆🏆🏆🏆🏆